Reha-Bedürftigkeit

Für die Beurteilung der Reha-Bedürftigkeit sind nicht die Krankheit, sondern die anhaltenden funktionalen Einschränkungen entscheidend. „Nur“ die Diagnose (nach ICD) begründet nicht den Reha-Bedarf.

Die folgenden Kriterien der Reha-Bedürftigkeit sind von besonderer Bedeutung für die Entscheidung über den Antrag auf eine medizinische Rehabilitation durch die Rentenversicherung.

Gesundheitliche Einschränkungen

  • Der Patient leidet an nicht nur vorübergehenden, behandlungsbedürftigen gesundheitlichen Störungen.
  • Funktionale Einschränkungen bei alltagstypischen Belastungen und/oder in einzelnen gesellschaftlichen Bereichen wie der Berufstätigkeit, sind vorhanden bzw. zu erwarten.

Eine isolierte Adipositas gilt bei Erwachsenen nicht als gesundheitliche Störung.


Diagnostik

  • Die notwendigen diagnostischen Verfahren wurden bisher durchgeführt. Bei psychischen / psychiatrischen Erkrankungen liegt ein fachärztlicher Untersuchungsbefund vor.


Rehabilitation wird abgelehnt, wenn die Diagnostik nicht abgeschlossen ist.



Fallbeispiel Orthopädie
Fallbeispiel Psychosomatik

Therapie

  • Die übliche (ambulante) Krankenbehandlung hat bereits stattgefunden und ist nicht mehr ausreichend. Eine vorrangige Krankenhausbehandlung (z. B. Operation) kommt nicht in Frage.
  • Es gibt einen Bedarf bspw. an einer Kombination von verschiedenen Therapieformen oder an einer intensiven sozialrechtlichen Beratung oder an einer Schulung, die nicht am Wohnort angeboten werden kann.
  • Die erforderliche psychiatrische/ psychotherapeutische Weiterbehandlung nach der Rehabilitation am Wohnort wird voraussichtlich stattfinden (nur für die Indikation Psychiatrie/Psychosomatik).

Rehabilitation wird abgelehnt, wenn vor der Rehabilitation eine erforderliche ambulante Therapie am Wohnort nicht stattgefunden hat.


Fallbeispiel Orthopädie
Fallbeispiel Psychosomatik

Ergänzende Aspekte

  • Es gibt mehrere relevante Gesundheitsstörungen oder psychische Begleiterkrankungen.
  • Umgang mit der Erkrankung und Krankheitsbewältigungsstrategien der Patienten sind nicht ausreichend/nicht adäquat. Dies gilt insbesondere bei Kindern/Jugendlichen, die lernen sollen, mit den Folgen der Erkrankung in verschiedenen Situationen des Alltags umzugehen und Krisensituationen zu bewältigen.
  • Eine Verhaltensbeobachtung und Überprüfung von Hilfsmittelstrategien in alltagsnahen Situationen ist erforderlich.
  • Es liegen veränderbare Risikofaktoren vor.

Bei der Abwägung, ob Reha-Bedürftigkeit vorliegt, sollten Umweltfaktoren (z. B. Familienverhältnisse, soziales Umfeld, Wohnsituation und Arbeitgeber) oder persönliche Kontextfaktoren (z. B. Sprachprobleme, persönliche Erfahrungen) berücksichtigt werden. Solche Faktoren können die Funktionsfähigkeit oder die Qualität der bisherigen Versorgung und damit den Bedarf an einer Rehabilitation positiv oder negativ beeinflussen.

Fallbeispiel Onkologie

Checklisten zur Einschätzung der Reha-Bedürftigkeit

Eine Checkliste für somatische Erkrankungen und eine Checkliste für psychische Störungen (ohne Sucht) unterstützt Sie bei der Einschätzung der Reha-Bedürftigkeit:

Checkliste zur Feststellung von Rehabilitationsbedarf bei somatischen Erkrankungen

Checkliste zur Feststellung von Rehabilitationsbedarf bei psychosomatischen Erkrankungen

Hinweis für die Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen

Nur bestimmte Erkrankungen kommen in Frage. Weitere Informationen zur Rehabilitation bei Kindern und Jugendlichen finden Sie unter folgenden Punkten:

Rehabilitation für Kinder und Jugendliche

Befundbericht für die Kinder-Reha erstellen